Gemeinsamer Appell
Integration statt Isolation
Im September 2004 jährt sich die Errichtung des Ausreisezentrums im
mittelfränkischen Fürth zum zweiten mal. Das ist der Anlass für res
publica, mit einem gemeinsamen Appell an die bayerische Staatsregierung
die Schließung der bayerischen Ausreisezentren in Fürth, Nürnberg,
Hormersdorf (Mittelfranken) und Engelsberg (Oberbayern) zu fordern.
Mit dem Appell Integration statt Isolation fordern wir von der
Bayerischen Staatsregierung, Ausreisezentren durch die Schaffung einer
unbürokratischen und großzügigen Bleiberechtsregelung, wie sie von Dr.
Christian Schwarz-Schilling (CDU), Bundesminister a.D., und Pro Asyl
vorgeschlagen wird, überflüssig zu machen.
Wir rufen Sie dazu auf, den Appell Integration statt Isolation zu
unterzeichnen, denn er entfaltet größtmögliche Wirkung, wenn er von
vielen Organisationen, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Gruppen,
Initiativen und Einzelpersonen unterstützt wird. eine
Unterstützungserklärung finden Sie auf dem Appell, den wir hier, neben
anderen Informationen, zum Download bereithalten.
Presseerklärung zur Veröffentlichung des Appells "Integration statt Isolation" Pressemitteilung res publica
München den 14.09.2004
Bleiberecht statt "Ausreisezentren" Am heutigen Dienstag den 14.09.2004 fordern Menschenrechtsorganisationen Gewerkschaften Flüchtlingsorganisationen Jugendverbände Ausländerbeiräte und andere Ministerpräsident Edmund Stoiber auf mit einer Bleiberechtsregelung die bayerisc ...
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Bayerische Staatsregierung unter Druck res publica Pressemitteilung 09.09.2004
Bayerische Staatsregierung unter Druck
Wenige Tage vor der öffentlichen Präsentation des gemeinsamen Appells gegen "Ausreisezentren" versucht Innenminister Günther Beckstein den breiten Protest gegen die bayerische Lagerpolitik auszubremsen
Am Dienstag den 14.09.2004 präsentieren wie ber ...
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Öffentliche Präsentation des gemeinsamen Appells Integration statt Isolation res publica 02.09.2004
Öffentliche Präsentation des gemeinsamen Appells Integration statt Isolation
Am Dienstag den 14.09.2004 von 14.00 - 18.00 Uhr präsentieren wir gemeinsam mit vielen UnterstützerInnen den Appell "Integration statt Isolation" in einer Veranstaltung der Öffentlichkeit.
Der Präsentationsort:
Atelier ...
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Offizielle Einladung: Präsentation des Appells Die offizielle Einladung zur Präsentationsveranstaltung am 14.09.04 in München ...
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Appell: Integration statt Isolation Der gemeinsame Appell Integration statt Isolation zum Download (4 Seiten 100KB PDF) ...
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Die Unterzeichnenden des Appells Integration statt Isolation Gemeinsamer Appell
Integration statt Isolation
Unterzeichnende (Stand: 08.09.2004)
Organisationen Verbände Gruppen:
11. Studientag zu Flüchtlingsarbeit und Kirchenasyl in Bayern AK Asyl Friedrichs ...
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Broschüre: Hier geblieben! Recht auf Bleiberecht. Informationsbroschüre zur Kampagne "Hier geblieben! Recht auf Bleiberecht" von Pro Asyl.
Neben Beispielen von Flüchtlingen die dringend auf eine Bleiberechtsregelung angewiesen sind zeigt die Broschüre die politischen Hintergründe für diese Kampagne auf und leitet daraus Forderungen an eine Bleiberechtsregelung ab. ...
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Forderungen der Kampagne "Hier geblieben!" Pro Asyl Februar 2003
(Auszug aus der Broschüre: Hier geblieben! Recht auf Bleiberecht von Pro Asyl)
HIER GEBLIEBEN! Recht auf Bleiberecht.
Unsere Forderungen
Eine Bleiberechtsreg ...
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Unterstützer der Kampagne "Hier geblieben!" Pro Asyl Februar 2003
(Auszug aus der Broschüre: Hier geblieben! Recht auf Bleiberecht von Pro Asyl)
HIER GEBLIEBEN! Recht auf Bleiberecht.
Unterstützer der Kampagne
Arbeitsgemeinschaft Ausländer- und Asylrecht im Deutschen Anwaltverein Arbeitsgemeinschaft der Beratungsstellen für Opfer rassistischer rechtsextremer und ant ...
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Integration statt Isolation
Die Unterzeichnenden fordern die bayerische
Staatsregierung auf, die menschenunwürdigen und menschenrechtswidrigen
Ausreisezentren in Fürth, Nürnberg, Engelsberg und Hormersdorf zu
schließen
Am 16. September 2002 wurde das erste bayerische Ausreisezentrum im
mittelfränkischen Fürth eröffnet, im Herbst 2003 folgten drei
weitere in Nürnberg, Hormersdorf (Mittelfranken) und Engelsberg
(Oberbayern).
In Ausreisezentren sollen Flüchtlinge mit psychischem Druck und
einer Zermürbetaktik zur widerstandslosen, freiwilligen Ausreise
gezwungen werden. Haupteffekte sind die psychische Beschädigung der Flüchtlinge
und die massenhafte Illegalisierung derer, die sich dem Druck entziehen und
fortan ein Schattendasein in der Illegalität führen müssen.
Das Ausüben psychischen Drucks zur Beugung des Willens ist menschenrechtswidrig
und keine legitime Maßnahme einer staatlichen Behörde. Die Unterzeichnenden
fordern deshalb die Bayerische Staatsregierung auf, alle Ausreisezentren
umgehend zu schließen.
Es ist menschenunwürdig, Flüchtlinge und MigrantInnen, die seit Jahren
in Bayern leben, durch die systematische Einweisung in Ausreisezentren
zu isolieren, an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu hindern, in der
erzwungenen Abhängigkeit von minimalen staatlichen Transferleistungen zu
halten und sie damit ihrer Freiheit zu berauben, ein selbstbestimmtes Leben
zu führen.
Die Unterzeichnenden rufen deshalb die Bayerische Staatsregierung dazu auf,
Ausreisezentren durch die Schaffung einer unbürokratischen und großzügigen
Bleiberechtsregelung, wie sie von
Dr. Christian Schwarz-Schilling (CDU), Bundesminister a.D., und Pro Asyl vorgeschlagen
wird, überflüssig zu machen.
Diese Regelung wird von einem breiten Bündnis aus Kirchen, Gewerkschaften,
Juristenvereinigungen, Wohlfahrtsverbänden und Flüchtlingsräten
unterstützt und sieht ein unbürokratisches und großzügiges
Bleiberecht und eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe vor:
- für Alleinstehende, die seit fünf Jahren in Deutschland leben,
- für Familien mit Kindern, die seit drei Jahren in Deutschland leben,
- für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die seit
zwei Jahren in Deutschland leben,
- für traumatisierte Kriegsopfer und
- für Opfer rassistischer Übergriffe.
Ausreisezentrum als Zermürbetaktik
Die ZRS beschreiben den in Ausreisezentren ausgeübten
psychischen Druck selbst mit deutlichen Worten: Das Ausreisezentrum in
Fürth könne man als "Zermürbetaktik"
(Christoph Hammer, ehemaliger Leiter der ZRS Nord) verstehen, die Einweisung
in das Ausreisezentrum Engelsberg sei eine Bestrafung für fehlende
Mitwirkung durch den "Entzug
der Attraktivität der Ballungsräume" (Wolfgang Bruckmann,
Leiter der ZRS Süd).
Die eingewiesenen Flüchtlinge, abgelehnte AsylbewerberInnen
ohne Papiere, die nicht abgeschoben werden können, und inzwischen auch
Flüchtlinge, die sich noch im Asylverfahren befinden, deren Anträge
jedoch als offensichtlich unbegründet angesehen werden, werden damit in
eine "gewisse
Stimmung der Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit" (Dietmar Martini-Emden
in einem Vortrag in der bayerischen Landesvertretung in Berlin) versetzt.
Gemessen an der Zielformulierung durch das Bayerische Innenministerium
sind Ausreisezentren ein Musterbeispiel für die Erfolglosigkeit
repressiver Konzepte. Statt eine freiwillige Ausreise zu erreichen, führt
der ausgeübte psychische Druck zu einer massenhaften Illegalisierung, etwa
die Hälfte aller eingewiesenen Flüchtlinge entzieht sich dem staatlichen
Zugriff durch das Abtauchen in die Illegalität.
Diese staatliche Illegalisierungspolitik ist auf dem Hintergrund
der verstärkten Bemühungen der letzten Monate, die Lebensbedingungen
von illegalisierten Flüchtlingen und MigrantInnen zu verbessern, nicht
zu tolerieren. Zudem ist die Behauptung der ZRS und des Bayerischen Innenministeriums,
die untergetauchten Flüchtlinge und MigrantInnen seien unkontrolliert
ausgereist, da sie sonst aufgrund der hohen Kontrolldichte durch die bayerische
Polizei aufgegriffen worden wären, zurückzuweisen. Verschiedene Untersuchungen
haben in den letzten Monaten und Jahren belegt, dass es auch in Bayern illegalisierte
Flüchtlinge und MigrantInnen gibt.
Eine Studie
der Landeshauptstadt München aus dem Jahr 2003 schätzt die Zahl
der allein in München lebenden Illegalisierten auf 30.000 bis 50.000 Menschen.
Zudem ist eine "unkontrollierte Ausreise" allein deshalb unwahrscheinlich,
weil die Grenzkontrollen so dicht sind, dass ein heimliches Verlassen der Bundesrepublik
der Fluchthilfe bedarf, für die von Schleusern immense Summen verlangt
werden.
Beugung des Willens
Nur wenige der in Ausreisezentren eingewiesenen Flüchtlinge
reisen aus oder können abgeschoben werden. Dieser verschwindend kleine
Prozentsatz steht in keiner Relation zu dem psychischen Druck, der auf die Flüchtlinge
ausgeübt wird.
Die Verbleibenden weisen nach mehrmonatigem Aufenthalt in Ausreisezentren
Symptome
einer psychischen Zerrüttung auf und leiden unter Depressionen, Angstzuständen
und Schlaf- oder Appetitlosigkeit. Auch vermehrter Alkoholmissbrauch und z.T.
aggressives Verhalten weisen deutlich auf ihren kritischen psychischen und physischen
Gesundheitszustand hin.
Der unbefristete Aufenthalt in Ausreisezentren unter solchen
Bedingungen ist zutiefst inhuman und grundgesetzwidrig. Deshalb hat das Verwaltungsgericht
Trier am 19.03.2003 die Entlassung einer vierköpfigen Familie aus dem
dortigen Ausreisezentrum angeordnet. Das Argument: "Die Maßnahme
darf sich dabei insbesondere nicht als Schikane oder strafähnliche Maßnahme
gegenüber dem Betroffenen erweisen [...] da die Beugung des Willens durch
psychologische Maßnahmen rechtsstaatlich nicht vertretbar ist".
Rückkehrorientierte Beratung
Ausreisezentren sind Einrichtungen der Zentralen Rückführungsstellen
(ZRS) in Bayern. Die Zentrale Rückführungsstelle Nord (ZRS Nord) in
Zirndorf ist der Regierung von Mittelfranken angegliedert, die Zentrale Rückführungsstelle
Süd (ZRS Süd) in München der Regierung von Oberbayern. Beide
unterstehen direkt dem bayerischen Innenministerium. Die Aufgabe der ZRS ist
die "rückkehrorientierte
Beratung". Eine Beratung jedoch zielt darauf, so die anerkannte
Bedeutung dieses Begriffs, Handlungsalternativen mit den AdressatInnen zu erarbeiten
und ist prinzipiell ergebnisoffen. Diesem Anspruch wird die rückkehrorientierte
Beratung der ZRS nicht gerecht, denn sie hat lediglich ein Ziel: die widerstandslose,
sog. freiwillige Ausreise. Ausreisezentren spielen dabei die Rolle
einer Sanktionsmöglichkeit für die Flüchtlinge und MigrantInnen,
die sich dieser alternativlosen Beratung verweigern.
Das bayerische Innenministerium legte in seinem Konzept Erste
bayerische Ausreiseeinrichtung Fürth Hafenstrasse dar, in Ausreisezentren
solle den betroffenen Flüchtlingen und MigrantInnen "in der täglichen
Arbeit verdeutlicht [werden], dass es keine Alternative zur Ausreise gibt und
es an der Zeit ist, sich auf die Rückkehrpflicht zu besinnen". Ihr
Hauptcharakteristikum ist jedoch die Desintegration durch Isolation. Mit Hilfe
verschiedener Instrumente werden die eingewiesenen
Flüchtlinge und MigrantInnen von der übrigen Gesellschaft isoliert,
z.B. indem sie hinter Zäunen, von Sicherheitsdiensten überwacht oder
in kleinen Gemeinden im bayerischen Hinterland ihr Dasein fristen müssen.
Handlungsspielräume werden bewusst eingeschränkt, das
"Sachleistungsprinzip" wird konsequent durchgesetzt, die Betroffenen
müssen sich von täglich bis mehrmals wöchentlich zugeteilten
Lebensmittelrationen ernähren, erhalten kein Bargeld und unterliegen einem
strikten Arbeitsverbot. Der Aufenthalt in Ausreisezentren ist prinzipiell
unbefristet und kann nur durch Ausreise oder Abschiebung beendet werden.